Auf den ersten Blick ist es ungewöhnlich: das Wort Männlichkeit im Plural zu verwenden. Aber es deutet einiges darauf hin, dass diese Ausdrucksweise der Realität mehr entspricht als von
einer, "allgemeinen" Männlichkeit zu sprechen.
"Erfunden" hat diese Ausdrucksweise der australische Soziologe
Robert CONNELL, der durch vergleichende Analysen von Männern in verschiedenen
Kulturen festgestellt hat, dass Männlichkeit in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten sehr
verschiedenes bedeuten kann.
Und nicht nur in verschiedenen Kulturkreisen: stellen Sie sich in Ihrem Land und in Ihrer Stadt einen Wirtshaustisch mit folgenden Männern vor: ein Bauarbeiter, ein Arzt, ein Tänzer, ein Maschinenbauingenieur, ein Volksschullehrer, ein Hooligan: Ist das eine Runde, in der sich "die Männer" alle verbrüdernd auf die Schulter klopfen werden, weil sie sich so ähnlich sind oder so gut miteinander verstehen ?
Keineswegs. Für den Hooligan bedeutet Männlichkeit wahrscheinlich etwas ganz anderes als für den Volksschullehrer.
Daher also Männlichkeiten statt "die" Männlichkeit.
Das ist auf den ersten Blick beunruhigend für jene Männer, die gerne ein eindeutiges
Leitbild für ihr Mannsein hätten - und diese werden ein williges Opfer für die Zeitgeist- und Modemaschinerie sein, die uns vorgaukeln will, wie "mann" gerade zu sein hat ( war der letzte Trend nicht "Metrosexualität" ? ).
Ebenso werden viele dieser Männer die
"mythopoetische" Männerbewegung ( siehe Rubrik
Männerbewegungen ) favorisieren. in der anhand von Märchen und Mythen versucht wird, eine archetypische Männlichkeit zu definieren.
Auf den zweiten Blick ist es jedoch
befreiend. Denn heute hat jeder Mann ein
breites Spektrum an Verhaltensweisen, die er sich aneignen kann, wenn er sie für seine Lebenssituation passend findet und kann auf das Statement "Das finde ich irgendwie nicht männlich" kontern: "Welche Männlichkeit meinst du denn ?"
Möglicherweise wird er natürlich "anecken" wenn seine Verhaltensweisen den "vorherrschenden" Männlichkeitsidealen zu stark widerspricht. Robert Connell nennt diese die "
hegemoniale Männlichkeit".
Aber versuchen kann er es ruhigen Gewissens. Und er möge spannende Diskussionen dabei herausfordern.
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