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Maennerbewegungen

Donnerstag, 17. März 2005

Mythopoetische Männerbewegung

Die Mythopoetische Männerbewegung fußt vor allem auf den Büchern des amerikanischen Autors Robert BLY, dessen Bestseller "Eisenhans - ein Buch über Männer" Mythen und Märchen zum Thema Männlichkeit beschreibt.

Mit diesen Beschreibungen regt er Männer dazu an, Männlichkeit neu zu überdenken, zu einer neuen "inneren Kraft" , einer inneren "Wildheit" zu gelangen.

Ziemlich diffus wird dabei unterstellt, dass das genau das sei, was verunsicherte Männer heutzutage brauchen, und problematisch wird das Buch dadurch, dass auch der Begriff "Krieger" durchaus positiv besetzt ist ( obwohl Bly sich immer von Gewaltausübung distanziert ).

Aus dieser Männerliteratur entwickelten sich - vorerst in den USA - eine Reihe von Männerseminaren, die sich der "wilden Mann" Philosophie verschrieben: Raus in die Wälder, mit anderen Männern wieder einmal in freier Natur übernachten, in Übungen ( auch ein Ringkampf darf es schon mal sein ) die männliche Kraft und Wildheit neu spüren und in Schwitzhütten Haut an Haut die männliche Gemeinschaft spüren.

Auch von Initiationsriten ist hier immer wieder die Rede: Dahinter steckt die Annahme, dass - während Naturvölker eigene Rituale besitzen, die Burschen zum Mannsein heranführen - in den industrialisierten Ländern so etwas nicht existiert. Dieser Umstand führe wiederum zur Verunsicherung von Männern und könne durch eine nachgeholte "männliche Initiation" in einem Männerseminar nachgeholt werden.

Auch in Österreich gibt es zunehmend mehr Seminaranbieter, die sich dieses philosophischen Hintergrundes bedienen. Eine Gallionsfigur eher aus dem religiösen Kreis, der immer wieder eingeladen wird, ist Pater Richard ROHR, der ebenfalls Bücher verfasst hat.

Die Gegenthese lautet einerseits, dass eine gewisse Verunsicherung von Männern in einer Zeit des raschen sozialen Wandels ganz normal ist, da sich eben die Geschlechterrollen immer schneller ändern ( so wie sich z.B. auch die Arbeitswelt verändert). Gleichzeitig sind wir aufgrund der globalen Medien tatsächlich mit verschiedenen Formen der Männlichkeit in unterschiedlichen Kulturen gleichzeitig konfrontiert.

Andererseits erscheint es gerade deshalb, weil es verschiedene Ausformungen von Männlichkeit gibt ( siehe Rubrik Männlichkeiten rechts ) illusorisch, durch eine Initiation, "die eine" Männlichkeit zu finden oder zurückzugewinnen.

Der realistische ( aber zweifellos schwierigere ) Weg als ein Wochenendseminar besteht in einem längeren Befassen mit der eigenen Männlichkeit ( dazu können Männergesprächsgruppen, das kritische Lesen von Männerliteratur oder reguläre Beratungs- und Therapieangebote nützlich sein ), und dem Neudefinieren der eigenen Rolle(n) in Beruf, Zweierbeziehung, Gesellschaft oder als Vater ( Bruder, Sohn ) - immer wieder auch im Gespräch mit den Menschen im unmittelbaren Umfeld.

Zweifellos werden in Männerseminaren des oben beschriebenen Typus intensive Gefühle ausgelöst und, was positiv anzumerken ist, hier können tatsächlich Männerfreundschaften entstehen, doch jeder muss selbst entscheiden, ob er sich durch solche Seminare oder durch traditionell anerkanntere Methoden wie Lebensberatung oder Psychotherapie weiterentwickeln will.

Höchste Vorsicht ist jedoch bei der Glorifizierung des Begriffes "Krieger" geboten. In einer Zeit, in der nahezu hunder Prozent aller Gewalttaten von Männern ausgeht, ist ein solcher Begriff als wünschenswerter "Archetypus" für Männer gefährlich. Wenn es um "männliche Kraft" und "Stärke" geht, möge man den Sport bemühen, aber die Soldaten Soldaten sein lassen.

E: The mythopoetic men´s movement is described as being based on books like Robert BLY´s "Iron John", leading to the "wild men" seminars - often outside in nature - and to male initiation rituals. It has to be questioned if the unsureness of men nowadays is something that can be "solved" through weekend encounters. Moreover, as stated in another article in this weblog, unsureness is a normal issue in a time of rapid social change, where also male and female roles are changing. And in a globalised world men can indeed recognize different forms of masculinity from all over the world, challenging him to choose one of them.

The appropriate way of re-defining his personal masculinity, though, seems to require a longer process of thinking, reading men´s literature, discussing with other men and women about the changes in gender roles we all face constantly. What seems to be really dangerous is the return of the term "warrior" in myths and seminars aiming at reassuring men of their self consciousness.

Freitag, 22. Oktober 2004

Literatur zu den Männerbewegungen

... folgt demnächst