Männerbücher, Männerzeitschriften ( zum Gender Thema )
Hier soll eine Liste von empfehlenswerten Büchern und Zeitschriften für Männer entstehen.
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maennerinfo - 14. Jan, 21:41


Literaturhinweis.
Feindbild Frau
Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen
ISBN 3-930345-36-6 560 S., geb. mit Schutzumschlag 34,80 € 52.20 sFr.
Hannover 2004 Offizin Verlag
Nachstehend die Einleitung
Einleitung
Die Sexualität der meisten Männer zeigt eine Beimengung von Aggression, von Neigung zur Überwältigung, deren biologische Bedeutung in der Notwendigkeit liegen dürfte, den Widerstand des Sexualobjektes noch anders als durch die Akte der Werbung zu überwinden.
Sigmund Freud, Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
Veränderungen im Mischungsverhältnis der Triebe haben die greifbarsten Folgen. Ein stärkerer Zusatz zur sexuellen Aggression führt vom Liebhaber zum Lustmörder, eine starke Herabsetzung des aggressiven Faktors macht ihn scheu oder impotent.
Sigmund Freud, Abriß der Psychoanalyse
Das Interesse der vorliegenden Studie gilt dem Einfluß von Sexualität, Aggression und Macht auf die Entwicklung der männlichen Geschlechtsidentität und auf die Ausbildung eines ambivalenten bis feindseligen Verhältnis des Mannes zum "anderen" Geschlecht. In allen männlich dominierten Kulturen und Gesellschaften existiert ein individuelles und kollektives Feindbild Frau , in dem sich eine von Lust, Angst, Neid und Haß gekennzeichnete Einstellung des Mannes zu Frauen und zu allem, was unbewußt mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht wird, verdichtet. Die möglichen destruktiven Folgen dieser Einstellung zeigen sich unverhüllt an den nahezu universell verbreiteten Erscheinungsformen allgemeiner und insbesondere sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen in ihrer rohesten Gestalt.
Nach dem Weltbevölkerungsbericht der UNO aus dem Jahr 2000 wird weltweit jede dritte, nach einer Untersuchung derWeltbank von 2001 jede fünfte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von Männern geschlagen, vergewaltigt oder auf andere Weise körperlich oder sexuell mißhandelt. Rund einhundertdreißig Millionen Frauen sind, vor allem in Afrika und in Westasien, das Opfer von Genitalverstümmelungen. Vier Millionen Frauen und Mädchen werden jedes Jahr in Zwangsehen, Prostitution oder in die Sklaverei verkauft. In fast allen Kriegen oder kriegsähnlichen Konflikten kommt es zu Massenvergewaltigungen und anderen Formen sexueller Folter an Frauen aller Alterstufen. Jährlich gibt es ca. fünftausend weibliche Opfer sogenannter "Ehrenmorde", die von männlichen Familienangehörigen zur Wiederherstellung der durch das vorgeblich "anrüchige" Verhalten der Frau oder des Mädchens verletzten Familienehre begangen werden, wozu unter Umständen schon ein Kinobesuch oder der Blick auf einen fremden Mann ausreicht. In Deutschland werden nach einer repräsentativen Erhebung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahre 2004 siebenunddreißig Prozent der Frauen Opfer körperlicher Mißhandlungen und dreizehn Prozent, also ca. jede siebte Frau Opfer sexueller Gewalt durch Vergewaltigungen oder gewaltsame Nötigungen zu anderen sexuellen Handlungen. Unter den befragten türkischen und osteuropäischen Migrantinnen in Deutschland ergaben sich noch weitaus höhere Prozentzahlen. So berichtete fast jede zweite befragte türkische Einwanderin von körperlichen oder sexuellen Übergriffen vorwiegend im häuslichen Bereich. Der vielleicht verbreitetste Ausdruck sexuellen Terrors gegen Frauen sind die aufgrund der hohen Dunkelziffer statistisch schwer zu erfassenden Vergewaltigungen in der Ehe, die auf der ganzen Welt nur von siebenundzwanzig Staaten unter Strafe gestellt werden.
Diese statistischen Befunde dokumentieren das ungeheure Ausmaß und die weltweite Verbreitung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Was die reinen Zahlen aber nur erahnen lassen ist die erschreckende Brutalität und die menschenverachtende Grausamkeit der Taten, die nicht allein auf spezifische kulturelle Traditionen und Gewohnheiten, sondern auch auf einen gesellschaftlichkulturell geförderten tiefsitzenden Frauenhaß vieler Männer schließen lassen, der unter bestimmten Bedingungen mobilisiert werden und gewaltsam ausbrechen kann. Nun zeigen alle Untersuchungen sexueller Gewalttaten, daß es sich bei den Tätern in der Regel um "ganz normale Männer" (Browning) und nicht um sadistische oder pathologische Monster handelt. Daher bildet die scheinbar fließende Grenze zwischen "Normalität", Pathologie und sadistischer Grausamkeit in der Geschlechtsidentität des Mannes und in den praktischen Auswirkungen auf die Geschlechterbeziehungen einen wichtigen Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung. Die daraus entwickelte zentrale Hypothese, die in sogenannten "partiarchalen" Kulturen bzw. in geschlechterhierarchischen Gesellschaften unter bestimmten Umständen bis zum tödlichen Haß steigerbare Feindseligkeit gegenüber Frauen und Weiblichkeit gehört zur allgemeinen Grundausstattung auch von Normalmännlichkeit, durchzieht das gesamte Buch.
Natürlich geht es nicht darum, die Männer pauschal zu Angehörigen eines universellen Tätergeschlechts zu erklären oder generell alle Frauen auf den Status eines realen oder potentiellen Opfers festzuschreiben. Sicherlich sind auch Frauen nicht frei von Haßund Gewaltbereitschaft, allerdings steht das Ausmaß in keinem vergleichbaren Verhältnis zur männlichen (physischen) Gewaltausübung und vor allem fehlt die (fast) ausschließlich bei Männern vorhandene Verknüpfung mit eindeutig sexuellen Motiven. Statistisch gesehen sind männliche Gewaltopfer zwar in der Überzahl, aber sie sind in der Regel wiederum das Opfer anderer Männer und das heißt: Gewalt und insbesondere sexuelle Gewalt ist so eng mit Männlichkeit und den gesellschaftlichkulturellen Bedingungen, unter denen sie hergestellt wird, verknüpft, daß diese Verknüpfung – ohne die gewaltsame Austragung sozialer und politischer Konflikte auf eine Männlichkeitsproblematik und ihre Lösung reduzieren zu können – zu den wichtigsten Bestandteilen der allgemeinen gesellschaftlichen Gewaltpotentiale gerechnet werden muß.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat, ausgehend von den "Men’s Studies" in den USA und in Kanada, eine rasante Entwicklung innerhalb der sogenannten "Männerforschung" als Teil der aus der Frauenforschung hervorgegangenen interdisziplinären Geschlechterforschung begonnen, deren heterogene Ansätze und Befunde es im Prinzip nicht mehr möglich machen, generalisierend von "dem" Mann und "der" Männlichkeit zu sprechen. Männlichkeit gilt nicht mehr als ein biologischer Zustand, sondern als ein kulturelles (und historisch variables) Konstrukt. So hat sich eine "Pluralisierung" der Perspektiven insbesondere innnerhalb geschichtswissenschaftlicher und soziologischer Studien entwickelt, in denen diverse Formen von Männlichkeit historisch, kulturell und sozial differenziert untersucht werden. Eines der wichtigsten theoretischen Konzepte, das in diesem Zusammenhang entwickelt wurde und das eine gewisse Leitfunktion für die gesamte Geschlechterforschung einnimmt, ist das soziologische Modell der "hegemonialen Männlichkeit" von Robert Connell.
Den Begriff der "Hegemonie" hat Connell der Klassentheorie des undogmatischen italienischen Marxisten Antonio Gramsci entnommen, der damit ursprünglich die Dynamik der Einnahme und der Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Führungspositionen durch bestimmte soziale Kräfte und Gruppen zu erfassen versuchte. Connells erweiterte Anwendung dieses Hegemoniekonzepts auf die soziokulturell jeweils vorherrschenden Männlichkeitskonstruktionen kennzeichnet einen doppelten geschlechtsbezogenen Differenzierungsprozeß in männerdominierten Gesellschaften, der eine Abkehr von dem statischen Begriff des "Patriarchats " zur Bezeichnung der universellen Herrschaft "der" Männer über "die" Frauen ermöglichen soll. Unter "hegemonialer Männlichkeit " ist ein jeweils dominierendes Männlichkeitsideal zu verstehen, das historisch wandelbar ist, viele gesellschaftlich bedingte Abstufungen bzw. Varianten aufweist und das immer wieder in Konkurrenz zu alternativen Männlichkeitskonstruktionen tritt. Die erste Differenzierung ermöglicht den Blick auf eine abgestufte Binnenhierarchie innerhalb der Gruppe aller Männer. Denn neben einer jeweils vorherrschenden ("hegemonialen ") existieren andere, teilweise ausgegrenzte und abgewertete ("marginalisierte") Formen von Männlichkeit, die aber alle gemeinsam von der Macht und den Vorzügen des gesellschaftlich dominanten Modells profitieren. Diese Partizipation aller Männer an den Vorteilen des an der Spitze der Hierarchie stehenden Männlichkeitsideals bezeichnet Connell als "patriarchale Dividende" und bildet die zweite Differenzierung innerhalb des Konzepts der "hegemonialen Männlichkeit": die Abgrenzung aller Männer von den Frauen unter besonderer Betonung der häufig mythologisierend verklärten Geschlechtsunterschiede.
Alle Angehörige der mit- und gegeneinander um gesellschaftliche Vormacht ringenden Männlichkeitskonstrukte verbindet demnach eine identitätsstiftende Gemeinsamkeit: Ein Mann zu sein bedeutet in erster Linie keine Frau zu sein. Auf diesem Hintergrund erfüllt der Begriff "Hegemonie" also eine zweifache Funktion und wird im weiteren auch so benutzt. Er bezeichnet die Binnenhierarchie innerhalb der Gruppe der Männer und gleichzeitig die allgemeine Vormachtstellung aller Männer gegenüber den Frauen. In den spezifischen Herstellungsprozessen von Männlichkeit geht es demnach unter besonderer Betonung von Ungleichheit immer um das Verhältnis von gesellschaftlicher und geschlechtsbezogener Macht und nicht um eine anthropologische oder gar genetisch festgelegte Stärke und Überlegenheit des Mannes.
Connell unterscheidet in seiner Analyse der historisch und kulturell veränderbaren Prozesse der sozialen Herstellung der Männlichkeit drei Bereiche, in denen der Kampf um Hegemonialität (in seiner doppelten Bedeutung) sichtbar wird: in den (politischen und sozialen) Machtbeziehungen, den (ökonomischen) Produktionsbeziehungen und der "Kathexis". Der Begriff "Kathexis" umfaßt die Beeinflussung der emotionalen Bindungsmuster durch das soziale Geschlecht ("gender") und damit die an libidinöse Besetzungsvorgänge gebundene Struktur und Dynamik des sexuellen Begehrens innerhalb des gesellschaftlichen Arrangements der Geschlechter. In Connells soziologischem Modell wird dieser libidotheoretische Aspekt ebensowenig weiter verfolgt, wie in den meisten gängigen Ansätzen zur Erforschung der Männlichkeit und des Geschlechterverhältnisses. Daher erfordern weitergehende Untersuchungen die systematische Einbeziehung der subjekttheoretischen, insbesondere der psychoanalytischen Perspektive. Nur eine sowohl individualals auch sozialpsychologisch ausgerichtete Psychoanalyse kann die unbewußten Tiefendimensionen dieser von Connell als libidinös gekennzeichneten emotionalen Bindungsverhältnisse kategorial erfassen und ihre Folgen, ausgehend von der Binnendimension subjektiver Wahrnehmungs- und Erlebnisweisen, verständlich machen.
Nun weisen die meisten der modernen psychoanalytischen und die daran orientierten geschlechtertheoretischen Forschungsansätze Defizite auf, die den Zugang zu den libidinösen Strukturen innerhalb der Geschlechterbeziehungen prinzipiell erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Mit dem Aufkommen neuerer theoretischer Modelle wie der Narzißmustheorie und der Objektbeziehungslehre ist eine allgemeine Abkehr von der klassischen Psychoanalyse Freuds erfolgt, mit der mit dem Begriff der Libido das gesamte triebtheoretische Fundament der Psychoanalyse und damit das ihrer Sexualitätsauffassung mehr oder weniger preisgegeben wurde.
Diese allgemeine "Verflüchtigung des Sexuellen" (Parin) hat dazu geführt, daß die Analyse der Männlichkeit weitgehend dem objektbeziehungstheoretischen Einheitsschema von gelungener oder nicht gelungener Mutterablösung unterworfen wurde und wie die Geschlechterforschung insgesamt ohne eine systematische Berücksichtigung der mit der Sexualität verbundenen antagonistischen Spannungen und Konflikte auszukommen scheint. Postmodern gewendet wird Sexualität zu einem diskursiv auflösbaren Effekt der Macht oder der als "doing gender" gefaßten sozialen Zuschreibungsprozesse im interaktionistischen Rahmen der vorherrschenden Geschlechterpraxen. Spätestens seit den neunziger Jahren wird die Geschlechterforschung von einer "Dissoziation der sexuellen von der geschlechtlichen Sphäre" (Sigusch) bestimmt, die fatale Folgen hat auch und gerade für die Analyse des Zusammenhangs von Männlichkeit und sexueller Gewalt.
Gegen diese Tendenz einer Entsexualisierung im Mainstream der gängigen Forschungsperspektiven soll gänzlich "unmodern" und "veraltet" das besondere Erklärungspotential der Psychoanalyse für eine Analyse der Männlichkeit durch eine kritische Rekonstruktion ihrer inzwischen weitgehend verschütteten triebtheoretischen Grundlagen nutzbar gemacht werden. Natürlich müssen viele Theorien und Vorstellungen Freuds insbesondere über das Geschlechterverhältnis und seine Verarbeitung aufgrund ihres Phallozentrismus revidiert werden. Allerdings spiegelt sich in ihnen (wenn auch unreflektiert) die unter der Herrschaft des Phallus und seiner symbolischen Bedeutung stehendeWirklichkeit der vorherrschenden Geschlechterbeziehungen. Gerade dieser normative, androzentristische Charakter vieler sexualtheoretischer Annahmen Freuds erlaubt einen tiefen Einblick in die unbewußte Binnendimension männlicher Erlebnisweisen. Jener Doppelcharakter aus Aufklärung und Mythologisierung, der (nicht nur) die psychoanalytischen Theoriefragmente zur Männlichkeit dominiert, soll in den ausschließlich von Freud stammenden Motti zu Beginn der einzelnen Kapitel und Abschnitte zum Ausdruck gebracht und transparent gemacht werden. Nur auf diesem Hintergrund kann eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansätzen zu einer psychoanalytischen Theorie der Männlichkeit sich auch der Frage nach der Psychologie sexueller Gewalthandlungen stellen, in deren Mittelpunkt die Entwicklung der in männlichdominierten und zwangsheterosexuellen Gesellschaften typischen Verbindungen von Sexualität und Aggression in den unbewußten Tiefenstrukturen von Männlichkeit stehen muß.
Das vorliegende Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil behandelt vorrangig die kulturellen Konstruktionen von Männlichkeit in Auseinandersetzung mit ausgewählten ethnologischen und kulturvergleichenden Untersuchungen, wobei der organisierte Vermännlichungsprozeß durch die Initiationsriten und die damit einhergehende Ausgrenzung der Frauen und die bleibende Abwehr des Weiblichen im Zentrum stehen. Es wird gezeigt, wie die in den Körper eingeschriebenen Abwehrformationen ein übereinstimmendes Element aller männlich dominierten Kulturen bilden, weshalb, mit aller Vorsicht, von einer "Allgegenwärtigkeit von Maskulinität" (Gilmore) gesprochen werden kann.
Im zweiten Teil , dem theoretischen Hauptteil des Buches, geht es um die zentrale Frage nach der Konstitution der männlichen Sexualität im Medium primärer Objekterfahrungen und unter besonderer Berücksichtigung der frühesten, von ambivalenten LiebeHaßRegungen gekennzeichneten Bindung von Trieb und Objekt sowie um die Genese der männlichen Geschlechtsidentität von der Wahrnehmung des Geschlechtsunterschieds bis zur Adoleszenz.Wie sich die elementaren Erfahrungen von Bindung, Trennung und Verlust unter dem Druck, sich als hegemoniales Geschlecht zu setzen, in das Unbewußte und in den Körper des Jungen einschreiben und einen Typus von Geschlechtsidentität erzeugen, der spätestens mit der Verarbeitung der Geschlechterdifferenz und der Errichtung des Genitalprimats mehr oder weniger phallischaggressiv ausgerichtet und von einer ambivalenten Mischung aus Hochachtung des eigenen Geschlechts und einer abwertender Geringschätzung der Frau gekennzeichnet ist, ist das Thema dieses komplexeren Teils der Studie. Diese Spaltung wird als Ausdruck eines grundlegenden Männlichkeitsdilemmas untersucht, in dem der unlösbare Widerspruch zwischen Autonomiewunsch und Abhängigkeitsangst und die unbewußte Basis der Neigung zu gewaltsamen Reaktionsweisen zum Ausdruck kommen.
Wie aus Angst vor den Frauen und der weiblichen Sexualität Haß und Gewalt entstehen kann wird im dritten Teil , in dem die theoretischen Befunde hinsichtlich ihrer praktischen Auswirkungen exemplarisch an drei Bereichen illustrierend veranschaulicht und weiter vertieft werden, deutlich: 1. an der Adoleszenzkrise männlicher Jugendlicher und ihrer Anfälligkeit für die Entwicklung einer gewaltbereiten und fremdenfeindlich aufladbaren AbwehrKampfHaltung, 2. an den männlichen Perversionen und dem destruktiven Verhalten männlicher Sexualstraftäter sowie 3. an dem Verhältnis von Männlichkeit, Sexualität und Krieg unter besonderer Berücksichtigung von Massenvergewaltigungen. Zum Schluß erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der allgemein verbreiteten Vorstellung, sexuelle Gewalt habe nichts mit Sexualität zu tun, die sich auf dem Hintergrund der hier gewonnenen Befunde über die objektgerichteten Mischungsverhältnisse von Sexualität und Aggression im männlichen Unbewußten als Mythos erweist.
Diese Untersuchung erhebt nicht den Anspruch einer vollständigen Analyse oder eines umfassenden Erklärungsmodells der männlichen Geschlechtsidentität und ihrer Folgen für die Regelungen des Geschlechterverhältnisses. Sie liefert einzelne Bausteine für eine psychoanalytische und sozialpsychologische Theorie der Männlichkeit unter besonderer Berücksichtigung verschütteter oder in den einschlägigen wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskussionen systematisch vernachlässigter Elemente der sexuellen Identitätsbildung des Mannes. Die tentative Annäherung an die Binnendimension der männlichen Subjektkonstitution erfolgt von verschiedenen Seiten her, daher sind gewisse Überschneidungen undWiederholungen beabsichtigt. Der insgesamt eher pessimistische Charakter dieser Analyse ist nicht der fatalistischen Überzeugung einer anthropologischen Unausweichlichkeit der als Männlichkeitsdilemma gefaßten individuellen und kollektiven Zwangslage des Mannes und der Männlichkeit geschuldet. Eine realistische Einschätzung projektiver Haßund Gewaltbereitschaft kann angesichts der objektiv herrschenden Destruktivität nicht optimistisch sein, will man(n) nicht vorschnell die Aporien, denen die männliche Subjektkonstitution insbesondere auf dem Feld der Sexualität unterliegt, durch harmonistische Modelle eines friedlichen Ausgleichs zwischen den geschlechtlichen und den gesellschaftlichen Gegensätzen überspielen.
Quelle: www.offizin-verlag.de